CHRONOBIOLOGIE

Die B-Society basiert auf der Forschung im Bereich Chronobiologie. Der führende Forscher innerhalb der Chronobiologie ist Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er hat mehr als 125,000 menschliche Tagesrhythmen untersucht und in dem Buch Internal Time, veröffentlicht 2012 von der Havard University Press, beschrieben. Sie können ihren Tagesrhythmus testen auf www.thewep.org.

DER TAGESRHYTHMUS
IST GENETISCH FESTGELEGT

Menschen besitzen unterschiedliche Tagesrhythmen. Ein Tagesrhythmus zeichnet sich dadurch aus, wann es der Mensch vorzieht wach zu sein und wann er vorzugsweise schläft. Unser Tagesrhythmus ist genetisch festgelegt und er kann sich im Laufe unseres Lebens verändern. Untersuchungen zeigen, dass unser Tagesrhythmus durch sogenannte Clock-Gene kontrolliert wird. 2003 hat der englische Forscher Dr. Simon N. Archer herausgefunden, dass Spätaufsteher eine kurze Version des sogenannten Per3-Gens besitzen. Dieses Gen kommt in zwei Größen vor und das kurze Gen ist häufiger bei den Spätaufstehern, als bei den Frühaufstehern zu finden. Es ist das Per3-Gen, das kontrolliert, wann der Körper darauf programmiert ist, wach zu sein. Fast alle Teenager verlagern ihren Tagesablauf und ziehen es vor, später ins Bett zu gehen und später aufzustehen und wenn wir älter werden, wachen wir früher und früher auf – oft gegen unseren Willen.

CHRONOTYPEN – SIND SIE EIN FRÜHER CHRONOTYP ODER EIN SPÄTER CHRONOTYP

Die Verteilung der Tagesrhythmen (Chronotypen) reicht von Personen, die es vorziehen extrem früh aufzustehen (frühe Chronotypen), bis hin zu Personen, die lieber extrem spät zu Bett gehen (späte Chronotypen), genauso wie z.B. die Größe von Menschen von sehr groß bis hin zu sehr klein reicht. Ein früher Chronotyp ist oft von 06:00 bis 22:00 Uhr wach und hat morgens und vor dem Mittag am meisten Energie. Der späte Chronotyp andererseits hat nachmittags und abends am meisten Energie und ist z.B. zwischen 09:00 und 01:00 Uhr wach.

15 bis 25 Prozent der Bevölkerung sind B-Typen und nur zehn bis 15 Prozent A-Typen. Die restliche Bevölkerung tendiert entweder leicht zu einem frühem oder spätem Leistungsmaximum oder liegt irgendwo dazwischen.

Wenn ein A-Typ und ein B-Typ zur selben Zeit ins Bett gehen und zur selben Zeit aufstehen, werden sie den Morgen unterschiedlich erfahren, da die Körpertemperatur des Frühaufstehers zu dieser Zeit höher sein wird, als die des Spätaufstehers. Da es für den späten Chronotypen zu dieser Stunde gewissermaßen noch „chronobiologische Nacht“ ist, es gibt also einen guten Grund dafür, dass sich der späte Chronotyp am frühen Morgen wie erschlagen fühlt.

SCHAFFEN SIE RAUM FÜR FRÜHE
UND SPÄTE LEISTUNGSBRINGER UM DIE PRODUKTIVITÄT ZU ERHÖHEN

An der Universität von Zürich hat eine Gruppe Forscher unter der Leitung von Steven Brown untersucht, wie der individuelle biologische Rhythmus entschlüsselt werden kann. Unsere biologische Uhr, die durch 10,000 Nervenzellen in unserem Gehirn kontrolliert wird, aktiviert während des Tages spezielle Gene in unseren Hautzellen und die schweizerischen Forscher haben erfolgreich sehr präzise Messungen für die Aktivitätsmuster der einzelnen Testpersonen des Experiments entwickelt.

Die Studie zeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Aktivitätsmustern von Früh- und Spätaufstehern gibt. Bei annähernd der Hälfte der Studienteilnehmer war der natürliche biologische Rhythmus mehr oder weniger aus dem Takt und dieselben Teilnehmer berichteten, oft unter Schlaflosigkeit und Konzentrationsproblemen zu leiden. Die Studie belegt, dass viele Menschen besser und produktiver arbeiten würden, wenn sie zu anderen Zeiten als den traditionellen 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr arbeiten könnten.

TEENAGER SIND B-TYPEN

Teenager sind nicht faul. Einer der Gründe, warum der Tagesrhythmus vieler Kinder sich während der Pubertät ändert, liegt an den enormen Entwicklungen, die Gehirn und Körper in dieser Periode durchlaufen. Die Veränderungen erzeugen zunehmende Müdigkeit am Morgen und mehr Energie am Abend. Die Jugend kann trotz möglichem Schlafmangel nicht einschlafen, was unglücklicherweise die Körperentwicklung negativ beeinflusst. Schlafmangel kann zu einer Reihe von Hindernissen im täglichen Leben führen: Die jungen Leute sind während der morgendlichen Schulstunden nicht nur niedergeschlagen und geistig abwesend, sie bekommen außerdem Konzentrationsprobleme, Lernschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen. 

Aufgrund dieser Tatsachen scheint hier ein Widerspruch vorzuliegen. Teenager brauchen täglich 8-10 Stunden Schlaf, und eine norwegische Studie hat ergeben, dass einer von zwölf Oberschülern unter Schlafmangel leidet. Das kann sehr negative Auswirkungen auf die Gesundheit der jungen Menschen haben. Eine Studie der University of Kentucky in Lexington zeigt, dass die Verschiebung des Schulbeginns um eine Stunde den Anteil der Schüler, der wenigstens acht Stunden Schlaf bekommt, von 37,5 Prozent auf 50 Prozent erhöht. Außerdem sind die Schüler motivierter, erfahren eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit, erbringen bessere Schulleistungen und behalten bessere Essgewohnheiten bei. 

SCHÜLER BEKOMMEN NACHMITTAGS BESSERE NOTEN

Eine deutsche Studie, durchgeführt von Christoph Randler von der Universität Heidelberg, hat die Tagesrhythmen von Schülern mit ihren Schulnoten verglichen. Die Ergebnisse sind entmutigend. Späte Chronotypen erzielen geringere Prüfungsergebnisse, weil die Prüfungen häufig vor dem Mittag angesetzt werden. Zu viele junge Menschen erhalten daher niedrigere Ergebnisse, als sie potentiell erreichen könnten, einfach aufgrund der Tatsache, dass sie sich in der Pubertät von frühen zu späten Leistungsbringern entwickeln. Studien haben gezeigt, dass die Mehrheit der Schüler eher bessere Noten bekommen, wenn sie an Prüfungen teilnehmen, die nachmittags stattfinden, als wenn sie an Prüfungen teilnehmen, die vor Mittag durchgeführt werden. 

BEGINNE DIE SCHULE SPÄTER UND ERREICHE EINE BESSERE LEISTUNG

Eine von Bjørn Bjorvatn durchgeführte, norwegische Studie zeigt, dass durch den Unterrichtsbeginn um 9:30 Uhr am Montag die Schüler Sonntagnacht eine Extrastunde Schlaf bekommen, was in einer besseren Leistung und Reaktionszeit resultiert.

Der türkische Wissenschaftler Senol Besoluk belegt in seinen Studien, dass die Lehr- und Prüfungszeiten einen großen Einfluss auf die Leistung des Schülers haben.  

Wenn man den Lebensrhythmus von Teenagern nach ihren chronobiolgischen Bedürfnissen ausrichtet, birgt das die Möglichkeit, ungeahnte Leistungspotentiale abzurufen – auch mit Blick auf die Zukunft. Denn: Ausgeschlafene Schüler erlangen bessere Noten und dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Bei einer Studie von annähernd 2,000 Schülern in den schwedischen Städten Luleå, Gävle und Jönköping wurde gezeigt, dass 13 Prozent der 7-Klässler ausgeprägte Frühaufsteher waren, während 34 Prozent ausgeprägte Spätaufsteher waren. In der neunten Klasse bestand die komplette Hälfte der Schüler aus B-Typen.

Die Vorbasse Schule in Dänemark hat flexible Stunden für die 7-, 8- und 9-Klässler eingeführt. Die Schüler können wählen, ob sie in Gruppen morgens zwischen 8:00 und 11:00 Uhr oder nachmittags zwischen 14:00 und 16:00 Uhr arbeiten. Auf diese Weise können die Schüler zu Zeiten unterrichtet werden, die ihrem täglichen Rhythmus am besten entsprechen. Nach Einführung dieser flexiblen und differenzierten Unterrichtsstunden erzielte die Vorbasse Schule messbare Ergebnisse. Der Notendurchschnitt stieg von 6.1 auf 6.7 und die Schüler sind während des Unterrichts aufmerksamer und motivierter.

An der Egaa Ungdomshoejskole hat Leiterin Ulla Fisker den Unterrichtsbeginn von 8:30 auf 10:00 Uhr verschoben. Das Ergebnis waren wachere, konzentriertere und „lernbereitere“ Schüler.

Den Tagesrhythmus von Kindern betreffend, wurde nicht viel Forschung durchgeführt. In der Studie zu Tagesrhythmen werden Kinder als frühe Chronotypen beschrieben, aber es gibt mehr und mehr Beispiele für späte Chronotypen. Aus diesem Grund bedarf es mehr Forschung bezüglich des Tagesrhythmus’ von Kindern, und zu welchen Tageszeiten Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren am lernbereitesten sind.

DAS VON DER GESELLSCHAFT VORGESCHRIEBENE ARBEITEN AB DEM FRÜHEN MORGEN BEREITET B-TYPEN GESUNDHEITSPROBLEME

Unglücklicherweise ist die Gesellschaft immer noch derart organisiert, dass sie auf die frühen Chronotypen zugeschnitten ist und auf Personen, die es vorziehen ab dem frühen Morgen zu arbeiten. Dies trifft auch auf Kindergarten, Schulen und Arbeitsplätze zu. 

Von der Gesellschaft vorgeschriebenes Arbeiten ab dem frühen Morgen bereitet späten Chronotypen Gesundheitsprobleme. Tagesrhythmus und Wohlbefinden sind eng miteinander verbunden. Späte Chronotypen verzehren generell mehr anregende Mittel wie Kaffee und Zucker als Frühaufsteher, um sich in die vorgeschriebenen Arbeitszeiten eingliedern zu können. Weitere Nachteile beinhalten den Versuch später Chronotypen, Stress mit Nikotin oder Alkohol zu mildern, oder im Streben nach genug Schlaf verschiedene Medikamente benutzen, ebenso wie das Gefühl zu haben, nicht ins Bild zu passen, was zu Stress und stressbezogenen Erkrankungen führen kann. Späte Chronotypen zwischen 31 und 40 Jahren haben z.B. ein erhöhtes Risiko, Depressionen zu erleiden.